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Die Qual der Wahl

Ich war am Wochenende mit einer Freundin mit unseren Hunden spazieren. Wir konnten beobachten, wie mein Hund Jimmie am Anfang des Spaziergang ganz euphorisch seine Freiheit ohne Leine im Wald genossen hat. Doch nach einiger Zeit hat ihn der Freilauf überfordert und er war überreizt von den ganzen Eindrücken. Ich habe ihn dann an die kurze Leine genommen und dort - mit weniger Möglichkeiten - konnte er entspannen.


Warum ich dir das erzähle? Vielleicht kennst du das Gefühl der Überforderung durch eine Flut anMöglichkeiten, im Großen wie im Kleinen. Barry Schwartz nennt dies in seinem bekannten TED Talk: "Paradox of Choice".



Durch diese große Anzahl an Optionen, kosten uns selbst kleine Entscheidungen sehr viel Energie, da wir ein großes Spektrum bewerten und abwägen müssen. Da wir das oft nicht bewerkstelligen können (wer hat zum Beispiel schon alle Nussbutter-Varianten im DM probiert und getestet - bitte melde dich, falls du Expert*in bist!), haben wir immer das Gefühl, dass wir eine "uninformierte" Entscheidung treffen.


Ich verfalle dann oft in eine Art Schockstarre, wenn ich Entscheidungen treffen soll und meine innere Perfektionistin meldet sich zu Wort, die möchte, dass ich stets die perfekte Entscheidung treffen soll. Selbstverständlich ist das nicht möglich.


Was dazu kommt, ist das oft suggerierte Konzept "Growth Mindest", was an manchen Stellen sehr helfen kann, aber in Hinsicht auf Entscheidungen schnell überfordernd sein kann. Vereinfacht besagt dieses Konzept, dass wir Menschen uns verändern können und somit fast alles lernen

können.



Es ist also Segen und Fluch zugleich: Auf der einen Seite bringt es uns in unsere Selbstermächtigung. Wir sind den Umständen in unserem Leben nicht ausgeliefert und sind machtvoll und schöpferisch. Auf der anderen Seite macht es uns noch mehr Türen auf und erweitert das Feld der Möglichkeiten.




Was kann uns also dabei unterstützen, weniger mit unseren Entscheidungen überfordert zu sein?


Perfektionismus loslassen

Durch unsere Auswahlmöglichkeiten können wir die perfekte Entscheidung nicht treffen. Es gibt sie auch gar nicht. Wir können uns also in den Gedanken hinein entspannen, dass wir es nicht richtig und somit auch nicht falsch machen können. Es ist besser, eine Entscheidung zu treffen, als sie aufzuschieben, um uns vermeintlich mehr Zeit zu geben, alle Optionen abzuwägen. Zum Beispiel ist Erdnussbutter im Haus zu haben besser, als keine zu haben, weil wir noch auf der Suche nach der perfekten Sort sind.


Experimentierfreude

Wir lernen mit jeder Entscheidung dazu und wissen also mit jeder Entscheidung mehr. Breiterer Erfahrungsschatz = leichtere Entscheidungen. Um bei unserem Beispiel zu bleiben, können wir eine Erdnussbutter für lecker oder eben nicht einstufen. Entscheidungen als Experiment zu sehen, durch die wir wachsen und weiser werden ist ein weiterer Gedanken, der unsere Leben leichter werden lässt.


Möglichkeiten verringern

Wie kannst du dir einen Rahmen schaffen, der dir Stabilität gibt und gleichzeitig groß genug ist, deiner Kreativität freien Raum zu lassen? Wo kannst du deine Möglichkeiten liebevoll reduzieren, ohne dich einzuschränken und dich klein zuhaltend? Vielleicht gibt es eine Sportart, die dir gefällt und bei der du bleiben möchtest und dich in diesem Rahmen weiter ausprobieren möchtest.


Genügsamkeit

Und manchmal muss es eben gut sein. Es ist toll, dass uns unendliche Möglichkeiten zur Verfügung stellen und wir den Luxus haben, viele Dinge auszuprobieren und uns zu erfahren. Wo sind deine Grenzen und wo möchtest du dich in deiner Komfort Zone entspannen? Wo ist deine Balance zwischen Wachstum und Gewohnheit?



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